MONUMENTAL SHADOWS

Dokumentarfilm von Frederic Leitzke zum Projekt „Monumental Shadows – Koloniales Erbe neu denken“.

„Monumental Shadows – Koloniales Erbe neu denken“

„Monumental Shadows“ ist eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe und der aktuellen Erinnerungskultur Deutschlands. Das Projekt wird von August bis Ende Oktober 2021 in Berlin durchgeführt und gliedert sich in vier Teile, sogenannte „Shadows“. In verschiedenen Formaten werden die teilnehmenden Künstler*innen und Sprecher*innen hinterfragen, welche Spuren und Auswirkungen des Kolonialismus es bis zum heutigen Tag gibt.

Ausgangspunkt ist die Erfahrung, dass der deutsche Kolonialismus im öffentlichen Diskurs häufig verharmlost wird. Er liegt somit für viele Menschen im Schatten und wirft gleichzeitig einen langen Schatten auf die Leben vieler.

Das Projekt wurde initiiert von dem Künstlerduo Various & Gould und entsteht in Zusammenarbeit mit Colonial Neighbours einem Projekt von SAVVY Contemporary.

Kontakt: vasb@zbahzragny-funqbjf.arg

Bismarck und die deutschen Kolonien
Shadow#1
Intervention

Den Auftakt bildete eine urbane Intervention von Various & Gould an der Bismarck-Statue im Berliner Tiergarten, Großer Stern, 10557 Berlin. Mit einer dem Papiermaché verwandten Technik haben die beiden Künstler*innen zusammen mit dem Team von Colonial Neighbours das Denkmal temporär abgeformt und diese Papierhülle vom Sockel geholt.

Papierabformung der Bismarck-Statue. Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Papierabformung der Bismarck-Statue. Photo: Raisa M. Galofre Cortés

02.–21.08.2021

Performativer Prozess: Papier-Abformung der Bismarck-Statue durch Various & Gould.

Das Denkmal (1901 von Reinhold Begas) wurde temporär mit mehreren Schichten aus Papier kaschiert und abgeformt.

Various & Gould bekleben den Helm mit Papier. Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Various & Gould bekleben den Helm mit Papier. Photo: Raisa M. Galofre Cortés

Bismarck kommt vom Sockel
21.08.2021

Arbeitsprozess von Various & Gould und Colonial Neighbours begleitet von künstlerischer Intervention von Daniela Medina Poch & Juan Pablo García Sossa. (Siehe folgende Bilder.)

Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Photo: Raisa M. Galofre Cortés

Die Papierform wurde unter den Augen Dutzender Besucher*innen geöffnet …

Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Photo: Raisa M. Galofre Cortés

… und vom Sockel geholt.

Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Photo: Raisa M. Galofre Cortés

Gleichzeitig haben Daniela Medina Poch & Juan Pablo García Sossa einen großen Schriftzug in den Weg zum Denkmal gekratzt.

Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Photo: Raisa M. Galofre Cortés

Blick vom Gerüst am Denkmal auf die Fragmentstücke der Bismarck-Abformung (Various & Gould) und die Schriftzug-Intervention (Daniela Medina Poch & Juan Pablo García Sossa).

Shadow#2
Performance

„Gospel of Wealth“, urbane Performance von Thomias Radin mit Natisa Exocée Kasongo, Jumoke Adeyanju & Delawhere.

Die Papierfragmente der Bismarck-Abformung aus Shadow#1 waren Teil dieser Performance am Tag des offenen Denkmals, 12.09.2021.
Ort der Veranstaltung war ein weiterer öffentlicher Platz, der in seinem Name eine Geschichte von Gewalt trägt: Der Nettelbeckplatz, der an den Kolonialpropagandisten und Sklavenhändler Joachim Nettelbeck erinnert.

Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Photo: Raisa M. Galofre Cortés

Gospel of Wealth

Viewing life as a gold rush will result in worshiping the golden calf and the golden rule becomes that those who have the gold, rule!
Spirituality drops out! Morality drops out!

Collateral damage. The myth of the one over the existence of many.

Many of you, many of us, many of them, many of me are echoing inside the empty shell of the one.

Bigidi !
Move forward!
Bigidi bigidi, head up fast forward!

Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Photo: Raisa M. Galofre Cortés

GOSPEL OF WEALTH hinterfragt, wie sich die Verherrlichung einer westlichen Kolonialfigur und deren Erbe im individuellen und kollektiven Bewusstsein auswirkt – aus einer afrodiasporischen Perspektive, von Nigeria über den Kongo bis zur Karibik.

Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Photo: Raisa M. Galofre Cortés

In der Performance begegnen wir verschiedenen Mythologien, die durch klangliche und tänzerische Interventionen verkörpert werden. Wir haben vor, ein neues Gespräch zu beginnen, das Kollektivität gegenüber dem Mythos einer politischen Figur und materiellem Reichtum anerkennt und wertschätzt.

Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Photo: Raisa M. Galofre Cortés

Konzept : Thomias Radin (Guadeloupe/FR)
Performer*in: Natisa Exocée Kasongo (Congo/FR), Jumoke Adeyanju (Nigeria/DE), Thomias Radin
Sound-Künstler: Delawhere (FR)

Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Shadow#3
Workshop

September-Oktober 2021

Jugendworkshops mit João Eduardo Albertini bei SAVVY Contemporary.

In Workshops mit Schüler*innen werden künstlerisch und kreativ die Themen Erinnern, Geschichte, Kolonialismus und Rassismus erarbeitet.

João Eduardo Albertini und Lynhan Balatbat-Helbock. Photo: Raisa M. Galofre Cortés
João Eduardo Albertini und Lynhan Balatbat-Helbock. Photo: Raisa M. Galofre Cortés

Momente aus den Jugendworkshops mit João Eduardo Albertini.

Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Photo: Raisa M. Galofre Cortés

Momente aus den Jugendworkshops mit João Eduardo Albertini.

Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Photo: Raisa M. Galofre Cortés

Momente aus den Jugendworkshops mit João Eduardo Albertini.

Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Photo: Raisa M. Galofre Cortés

Momente aus den Jugendworkshops mit João Eduardo Albertini.

Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Shadow#4
Panel

Freitag, 29. Oktober 2021, 19:00 Uhr

“Ein Platz an der Sonne” & seine langen Schatten | Abschlussveranstaltung: Lynhan Balatbat-Helbock im Gespräch mit Fernande Bode, Jumọke Adejanyu und Josephine Apraku. Premiere: Film von Frederic Leitzke. DJ-Set: Hanaby.

SAVVY Contemporary, Reinickendorfer Str. 17, 13347 Berlin

Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Photo: Raisa M. Galofre Cortés

Zum Abschluss des Berlin-Kapitels haben wir zu einem Austausch mit Performances, Vorträgen und Gesprächen über interdisziplinäre Erfahrungen und Strategien beim Umgang mit kolonialem Erbe eingeladen.
Zu Beginn wurde als Premiere der Dokumentarfilm „Monumental Shadows – Rethinking Colonial Heritage“ von Frederic Leitzke gezeigt. [Musik im Film von Levitation (Stefan Rusconi & Tobias Preisig) und Delawhere.]

Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Photo: Raisa M. Galofre Cortés

Moderatorin Lynhan Balatbat-Helbock sprach mit Fernande Bode, Jumọke Adejanyu und Josephine Apraku.

Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Photo: Raisa M. Galofre Cortés

Danach trug Jumọke Adejanyu Lyrik auf Deutsch, Englisch, Swahili und Yoruba vor.

Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Photo: Raisa M. Galofre Cortés

Jumọke Adejanyu trug Lyrik auf Deutsch, Englisch, Swahili und Yoruba vor.

Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Photo: Raisa M. Galofre Cortés

Zum Abschluss gab es ein DJ-Set von Hanaby.

Photo: Raisa M. Galofre Cortés
Photo: Raisa M. Galofre Cortés

Monumental Shadows – Koloniales Erbe neu denken

Ein Projekt von Various & Gould in Zusammenarbeit mit Colonial Neighbours (SAVVY Contemporary)
Berlin | August – Okt 2021

Ein partizipatives Projekt im öffentlichen Raum, das das Andenken an Kolonialfiguren vom Sockel holt und die Schatten von Geschichte und Gegenwart verschiebt.

Auch wenn immer mehr europäische Länder beginnen, sich mit ihrer kolonialen Geschichte auseinandersetzen, beherrschen weitreichende Schatten deren Erinnerungskultur. Ehemals kolonisierende und kolonisierte Länder verbindet eine komplexe, gewaltvolle Vergangenheit, die bis in die heutige Zeit nachklingt. Das Kunstprojekt „Monumental Shadows“ setzt sich mit Erinnerungskultur auseinander und beschäftigt sich mit Kunstwerken und Denkmälern, die weiterhin Kolonialgeschichte in den öffentlichen Raum einschreiben. In einer Kombination aus künstlerischer Zusammenarbeit, inhaltlicher Debatte und öffentlicher Diskussion wird der Zusammenhang von Kolonialismus und heutigem Rassismus sichtbar gemacht.

Für „Monumental Shadows“ ist eine Reihe von sieben künstlerischen Papier-Abformungen von Denkmälern in Europa geplant. Vor dem historischen Hintergrund der Berliner „Kongokonferenz“ (1884/85) handelt es sich um Monumente, die einen Bezug zum europäischen Kolonialismus in Afrika haben und heute in Ländern stehen, welche maßgeblich an der Konferenz beteiligt waren und bis bis in die Gegenwart von ihr profitieren. Die ausgewählten Denkmäler und die mit ihnen verbundenen historischen Persönlichkeiten werden in der Geschichtsschreibung ihres jeweiligen Landes (und darüber hinaus) noch immer positiv dargestellt oder sogar glorifiziert. Dabei werden die koloniale Ausbeutung und imperialistischen Gräuel, für die sie verantwortlich zeichnen, verschwiegen, verharmlost oder beschönigt. Einerseits liegt ihr Anteil am Kolonialismus für große Teile der Gesellschaft im Schatten, während ihr Wirken andererseits noch immer einen Schatten auf die Leben vieler Menschen wirft.

Ziel des Projektes ist es, diese Denkmäler zu entmonumentalisieren, indem wir sie symbolisch vom Sockel heben und mit neuen Bedeutungen aufladen. Bei der visuellen Gestaltung der Hülle gehen wir auf das jeweilige Monument und dessen koloniale Geschichte ein. Durch die Leichtigkeit und Verformbarkeit des Papiers wird ihre Vergänglichkeit sichtbar.

Anschließend werden die entstandenen Abformungen in Ver-Formances performativ verformt und damit sogar berührbar. Es wird begreifbar: Geschichte ist nicht statisch, und wir sind alle Teil von ihr. Unser Anliegen ist es, die Wirkmacht der weißen Narration zum Kolonialismus zu brechen, indem wir einen Perspektivwechsel vorschlagen. Dabei ist es wichtig, die eurozentristische Sicht und Erzählweise nicht länger unkommentiert zu reproduzieren. Es ist längst überfällig, die bisher häufig verschwiegenen und ignorierten Geschichtsschreibungen und -erzählungen von People of Color stärker ins Licht und in die Aufmerksamkeit zu rücken. Erst wenn sie Teil einer gemeinsamen Erinnerungskultur sind, können wir uns zu einer kolonial- und rassismuskritischen Gesellschaft entwickeln.

Erste Station: Berlin

Das Projekt wird von August bis Ende Oktober 2021 in Berlin durchgeführt und gliedert sich in vier Teile, sogenannte „Shadows“. In verschiedenen Formaten werden die teilnehmenden Künstler*innen und Sprecher*innen die Spuren und Auswirkungen des Kolonialismus bis zum heutigen Tag thematisieren.

Various & Gould

Die in Berlin lebenden Künstler*innen Various & Gould arbeiten seit 2005 als Duo zusammen. Im Jahr 2010 haben beide ihr Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee (KHB) abgeschlossen. Various & Gould sind Grenzgänger*innen auf verschiedenen Gebieten. Grundlage für ihre Zusammenarbeit sind Druckgrafik, Papiercollage und Kunst im öffentlichen Raum. Auf meist spielerische Weise nehmen sie sozialrelevante Themen in Angriff.

Colonial Neighbours

ist ein Langzeit-Projekt von SAVVY Contemporary in Berlin. Internationale Künstler*innen, Historiker*innen, Kulturwissenschaftler*innen, Kurator*innen und andere Aktivist*innen sind eingeladen, sich in diesem partizipativen Archiv- und Forschungsprojekt mit der deutschen Kolonialgeschichte und ihren Nachwirkungen in der Gegenwart zu beschäftigen.

Team

Künstlerische Leitung: Various & Gould

Kuration: Lynhan Balatbat-Helbock

Projektmanagement: Britt Janina Heinker

Kuratorische Assistenz: Lili Somogyi, Antonio Pedro Mendes

Zusätzliche, künstlerische Intervention: Daniela Medina Poch & Juan Pablo García Sossa

Performance: Thomias Radin, Natisa Exocée Kasongo, Jumoke Adeyanju & Delawhere

Produktionsassistenz: Billy Fowo, Sagal Farah, Jörg-Peter Schulze, Alina Kologriwaja, Ahmed Isam Aldin, Mohamedali Ltaief, Sh. M. Mudassir

Schulworkshops: João Eduardo Albertini

Panel-Diskussion: Josephine Apraku, Fernande Bode, Jumọke Adejanyu

Panel-Moderation: Lynhan Balatbat-Helbock

DJ-Set: Hanaby

Management: Lema Sikod

PR/Kommunikation: Anna Jäger

Vermittlung: Annika Hirsekorn

Leichte Sprache: Christina Stark, Annika Hirsekorn

Deutsche Gebärdensprache: Ina Peters

Gebärdensprachvideos: Rolando Octavio González

Design: Juan Pablo García Sossa

Foto-Dokumentation: Raisa Galofre

Video-Dokumentation: Frederic Leitzke (editude pictures), Florian Lampersberger

Kontakt: vasb@zbahzragny-funqbjf.arg

Das Projekt wird gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa des Landes Berlin und dem Berliner Projektfonds Urbane Praxis, mit freundlicher Unterstützung von Zapf Umzüge.